
In Bergisch Gladbach wird nicht über Zahlen gekürzt. Hier wird am Leben gekürzt.
In seinem neuen Beitrag zeigt Tomás Santillán, was die aktuellen Kürzungen der Bundespolitik konkret für die Integrationsarbeit im Rheinisch-Bergischen Kreis bedeuten – jenseits von Haushaltsdebatten in Berlin.
Die LiL -Die Linke Internationalen Liste ist seit Jahren in der Integrationsarbeit in GL aktiv ist, zieht eine schonungslose Bilanz: Während in Berlin von „Haushaltsdisziplin“ und „Migration begrenzen“ gesprochen wird, kommen in Bergisch Gladbach die Kündigungen an. Integrationskurse, die monatelang ausgebucht sind, sollen zusammengekürzt werden. Die Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer (MBE), die einzige Anlaufstelle für viele Familien in Gronau und Heidkamp, steht vor massiven Mittelkürzungen. Sprachmittlung im Jugendamt, in Kitas und in der Erziehungsberatung wird als „freiwillige Leistung“ infrage gestellt.
Drei konkrete Brüche, die wir täglich erleben:
1. Gekürzt wird bei der Ankunft: Wer neu in Bergisch Gladbach ankommt, wartet bis zu 8 Monate auf einen Integrationskurs. Ohne Kurs kein Job, ohne Job keine Wohnung. Die Bundesregierung spart hier ein paar Millionen – und produziert Folgekosten in Milliardenhöhe durch Arbeitslosigkeit und Isolation.
2. Gekürzt wird bei den Kindern: Kitas in Bensberg und Refrath melden, dass sie keine Dolmetscher mehr für Elterngespräche finanziert bekommen. Lehrerinnen übersetzen mit Google Translate, was eigentlich Sozialarbeit ist. Santillán nennt das, was es ist: Bildungsbenachteiligung per Haushaltsbeschluss.
3. Gekürzt wird bei denen, die Integration tragen: Die freien Träger, die Ehrenamtlichen, die Sozialarbeiterinnen – sie alle halten das System am Laufen. Und sie erfahren aus Berlin: Macht mehr mit weniger. Santillán hat mit zwei Trägern aus dem RBK gesprochen, die 2026 bis zu 30% ihrer Stellen verlieren werden.
Fazit: Integration fährt man nicht an die Wand, weil sie nicht funktioniert. Man fährt sie an die Wand, weil man sie kaputtspart. Und dann wundert man sich in Berlin, warum Integration angeblich scheitert.
Es ist klar: Was in Bergisch Gladbach gerade passiert, ist kein Sparen. Es ist das bewusste Aufkündigen des Versprechens von Teilhabe. Und es trifft nicht „die Migranten“ – es trifft diese Stadt als Ganzes.
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