Der progressive Selbstbetrug – „Nichts über uns ohne uns“

Tomás M. Santillán (Mitglied im Stadtrat Bergisch Gladbach) nimmt in seinem neuen Beitrag kein Blatt vor den Mund – auch nicht vor der eigenen politischen Blase.

Seit Jahren engagiert er sich als Teil der LiL – Die Linke internationalen Liste in Bergisch Gladbach für Teilhabe, gegen Ausgrenzung und für eine Gesellchaft, die alle mitnimmt. In diesem Text aber rechnet er nicht mit der AfD oder der Bundesregierung ab – sondern mit den Progressiven selbst. Mit seiner eigenen Szene. Und mit sich selbst.

Seine These: Die progressive Bewegung betrügt sich selbst. Und sie tut das auf drei Ebenen.

1. Der moralische Selbstbetrug: Santillán beschreibt, wie schnell aus Haltung ein Alibi wird. Gendern, die richtige Sprache, das richtige Posting zu Black Lives Matter oder zum CSD – das alles ersetzt keine politische Arbeit. Wer einen Post gegen Abschiebung teilt, aber niemanden zum Ausländeramt in Bergisch Gladbach begleitet, verwechselt Symbol mit Substanz.

2. Der strategische Selbstbetrug: Der Autor wirft einen schonungslosen Blick auf den Rheinisch-Bergischen Kreis. Während viele Progressive glauben, die Mehrheit sei heimlich links, kämpft die Mehrheit in Gronau, Bensberg und Refrath um Miete, Kita-Platz und Pflege. Wer dann nur noch über identitätspolitische Debatten spricht und nicht über Löhne und Mieten, überlässt das Feld kampflos der AfD – und wundert sich anschließend über ihre Ergebnisse in GL.

3. Der persönliche Selbstbetrug: Als Argentinier und von Rassismus Betrioffener kennt Santillán den Widerspruch. Wie international ist eine Internationale Liste wirklich, wenn am Ende doch fast nur Bio-Deutsche mit Uni-Abschluss das Sagen haben? Wie viel reden progressive Gruppen ÜBER migrantische Communities statt MIT ihnen?

Für Santillán ist klar: Der progressive Selbstbetrug macht bequem. Er gibt ein gutes Gefühl, ohne den unbequemen Kampf. Und er macht uns klein, selbstgerecht und am Ende geht man sogar auf Distanz.

Sein Gegenentwurf: Weniger Performance, mehr Organizing. Weniger Szene, mehr Stadtteil. Weniger „Wir erklären euch die Welt“ – mehr Zuhören und Anpacken vor Ort.

Kein Abgesang, so Santillán, sondern ein Weckruf an sich selbst und an eine antirassistische Bewegung, die wieder relevant werden will und bei allen Menschen vor Ort, also auch bei den Migrant:innen, ankommt.

Jetzt den ganzen Beitrag von Tomás Santillán auf santillan.de lesen. >>


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