
Öffentlichkeit schaffen!
Ab dem 25. November beteiligt sich Bergisch Gladbach erneut an der Woche der Frauenrechte und an den internationalen Aktionstagen gegen Gewalt an Frauen. Der Bürgermeister unterstützt die diesjährige Themenreihe öffentlich, orangefarbene Bänke, Veranstaltungen und Informationsangebote sollen Aufmerksamkeit schaffen und das Thema in den Mittelpunkt der Stadtgesellschaft rücken. Diese Sichtbarkeit ist wichtig und das Thema wurde besprochen.
Doch gleichzeitig darf diese Aktionswoche nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Realität für viele betroffene Frauen deutlich düsterer aussieht. Denn während öffentlich Zeichen gesetzt werden, sind die Schutzsysteme vielerorts am Limit. Frauenhäuser sind überlastet, Schutzplätze fehlen – und besonders Migrantinnen sowie geflüchtete Frauen stoßen oft auf massive Hürden beim Zugang zu Hilfe.
Gewalt gegen Frauen: Kein Randphänomen, sondern Alltag
Gewalt gegen Frauen ist kein Randphänomen und kein Ausnahmezustand, sondern Alltag. Der mit Abstand häufigste Tatort bleibt die eigene Wohnung. Täter kommen aus allen sozialen Schichten: aus Arbeiterfamilien ebenso wie aus gut situierten Haushalten, aus akademischen Milieus ebenso wie aus prekären Lebenslagen. Das verbreitete Narrativ, Gewalt sei vor allem ein „importiertes Problem“, ist nicht nur falsch, sondern auch gefährlich. Es lenkt davon ab, dass häusliche Gewalt im sogenannten gutbürgerlichen Milieu besonders selten angezeigt wird und deshalb lange unsichtbar bleibt. Angst vor wirtschaftlichen Konsequenzen, Abhängigkeiten, gemeinsame Immobilien, Kinder und sozialer Druck sorgen dafür, dass viele Betroffene schweigen – oft über Jahre.
Warum besonders viele Migrantinnen Schutz in Frauenhäusern suchen
Bundesweite Zahlen zeigen seit langem, dass ein hoher Anteil der Frauen, die in Frauenhäusern Schutz suchen, eine Migrationsgeschichte hat. Die Ursachen dafür liegen nicht in einer vermeintlichen „Kultur“, sondern in strukturellen Faktoren: wirtschaftliche Abhängigkeit, Sprachbarrieren, unsicherer Aufenthaltsstatus, fehlende soziale Netzwerke (z.b. Familie, Freunde, ..), frühere Gewalt- und Fluchterfahrungen sowie mangelnder Zugang zu Informationen über bestehende Hilfsangebote. Gerade diese Frauen bräuchten besonders niedrigschwellige, geschützte und kultursensible Unterstützungsstrukturen. Doch genau hier stößt das System besonders häufig an seine Grenzen.
Flüchtlingsunterkünfte: Hohe Dunkelziffer, kaum belastbare Daten
Für Frauen in Gemeinschafts- und Flüchtlingsunterkünften verschärft sich die Lage zusätzlich. Fehlende Rückzugsräume, Abhängigkeitsverhältnisse, Angst vor negativen Auswirkungen auf das Asylverfahren, unklare Beschwerdewege und Sprachlosigkeit im wörtlichen wie im übertragenen Sinn machen es extrem schwer, Gewalt anzuzeigen oder Hilfe zu suchen. Hier fehlen bei den Kommunen und bei der Polizei verlässliche Meldesystemen und damit auch Daten.
Die Zahl der Übergriffe auf Migrantinnen und Frauen mit sichtbarem Migrationshintergrund nimmt seit Jahren spürbar zu. Immer häufiger werden sie auf offener Straße von Einheimischen beschimpft, bespuckt, bedrängt oder tätlich angegriffen. In einem zunehmend migrationsfeindlichen Klima fühlen sich offenbar immer mehr Tätern darin bestärkt, Menschen, die nicht in ihr rechtes, völkisches Welt- und Stadtbild passen, öffentlich und mit Gewalt zu konfrontieren.
Übergriffe gegen Migrantinnen nehmen zu
Betroffene Frauen machen dabei die bittere Erfahrung, dass viele dieser anoynmen Angriffe von der Polizei weder konsequent verfolgt noch überhaupt aufgenommen werden – insbesondere, wenn sie als sogenannte „kleinere“ Vorfälle eingestuft werden. Je häufiger solche Erlebnisse werden (und das werden sie), desto seltener melden die Frauen sie noch.
Ein erheblicher Teil dieser Realität bleibt daher statistisch unsichtbar und kann politisch und medial bequem verdrängt oder bagatellisiert werden. Gleichzeitig zeigt sich hier ein zentrales strukturelles Problem: Es gibt kaum verlässliche lokale Daten. Gewalt Einheimische Deutscher gegen Migrantinnen wird vielfach nicht gemeldet, nicht erfasst, nicht systematisch ausgewertet.
Unscharfe Statistik
Die Statistik zeigt bevorzugt migrantische Täter und macht migrantische Opfer deutscher Männer fast unsichtbar – genau umgekehrt bei deutschen Tätern und deutschen Opfern. Auch werden demografische Hintergründe und Entwicklungen in der öffentlichen Debatte darum kaum berücksichtigt. Das riesige Dunkelfeld sexualisierter, häuslicher und partnerschaftlicher Gewalt fast ausschließlich deutsche Täter betrifft, aber kaum in der Statistik auftaucht.
Das ergibt kein realistisches Bild von Gewalt gegen Frauen in Deutschland, sondern ein politisch zurechtgebogenes, um alle migrantische Männer als potentielle Täter zu diffamieren und damit deutsche Männer zu „entschuldigen“
Ausbeutung, Zwangsprostitution, Menschenhandel: Gewalt im Schatten der Gesellschaft
Zur Gewalt gegen Frauen gehört auch die sexuelle Ausbeutung: Zwangsprostitution, Loverboy-Systeme und Menschenhandel. Diese Strukturen sind überwiegend männlich organisiert, wirtschaftlich motiviert, national wie international vernetzt und längst digital unterstützt. Die Täter stammen aus ganz unterschiedlichen Herkunftsmilieus, auch aus der deutschen Mehrheitsgesellschaft.
Die Opfer sind fast immer Frauen – viele davon Migrantinnen, aber auch deutsche Frauen in prekären Lebenslagen. Diese Gewalt findet nicht in einer abgeschotteten Parallelwelt statt, sondern mitten in unserer Gesellschaft.
Polizei, Kontrolle und blinde Flecken im „gutbürgerlichen“ Milieu
Auch die Rolle von Polizei und Behörden muss in diesem Zusammenhang differenziert betrachtet werden. Kontrolliert wird besonders dort, wo Gewalt ohnehin erwartet wird – in Unterkünften, in sozialen Brennpunkten, im Straßenmilieu. Das ist nachvollziehbar, führt aber zu einer gefährlichen Schieflage. Im bürgerlichen Umfeld bleibt Gewalt häufig unsichtbar. Anzeigen werden seltener gestellt, Verfahren häufiger eingestellt, Täter bleiben länger unbehelligt. So entsteht ein verzerrtes Bild in der Öffentlichkeit – und ein reales Schutzdefizit für viele betroffene Frauen.
Was jetzt konkret notwendig ist – auch auf kommunaler Ebene
Gerade deshalb darf die Woche der Frauenrechte kein ritualisiertes Gedenken bleiben. Sie muss vor Ort politische und gesellschaftliche Konsequenzen haben. Es braucht mehr Schutzplätze, einen echten Ausbau von Frauenhäusern und Schutzwohnungen, eine konsequente interkulturelle Öffnung der Hilfesysteme, verlässliche lokale Datenerhebungen zur tatsächlichen Lage sowie eine Stärkung der Präventionsarbeit. Gewalt beginnt nicht erst mit dem Schlag, sondern mit Macht, Kontrolle, Abhängigkeit und Schweigen. Ebenso notwendig ist eine konsequente Strafverfolgung – auch und gerade dort, wo Täter gesellschaftlich gut vernetzt sind. Auch müssen die Behörden, Leitungen der Unterkünfte, die Ordnungskräfte und die Politik stärker für diese Problematik sensibilisiert werden.
Fazit: Schutz ist kein Gnadenrecht, sondern ein Grundrecht
Die Woche der Frauenrechte ist wichtig. Aber sie darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Schutzsystem strukturell überfordert ist und dass besonders diejenigen Frauen durchs Raster fallen, die ohnehin am verwundbarsten sind. Schutz darf keine Frage von Herkunft, Status oder Sichtbarkeit sein. Schutz ist ein Grundrecht.
Die Linke internationale Liste – LiL Bergisch Gladbach
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